Kanada Vancouver

Mehr vom Auswandern nach Kanada – Teil 2

Der TRaum vom Auswandern nach Kanada

Vor einigen Wochen haben wir ein Interview mit Yvonne vom 4960Miles Blog geführt und viel über das Leben in Kanada gelernt. Welche Hürden man bei der Auswanderung gehen muss und was es zu beachten gibt – hier nun der zweite Teil des Interviews.

Die Kanadier gehören wohl zu den freundlichsten Menschen der Welt, aber gibt es auch Dinge, die euch stören? Was unterscheidet die Deutschen von den Kanadiern?

Ganz klar: die Arbeitseinstellung. Kanadier gehen da „relaxt“ heran, egal ob es eine Deadline gibt oder nicht. Mit Handwerkern haben wir bisher auch nicht die besten Erfahrungen gemacht. Da fehlt die Genauigkeit, die den Deutschen anscheinend deutlich mehr im Blut liegt. Wir haben unser Haus deshalb so gut wie komplett allein renoviert.
Genauso bedeutet „schnell“/asap gern man ein paar Tage. Anders als in Deutschland, wo man Dinge tatsächlich schnell erledigt. Hier ist es eher das Motto „Wenn nicht heute, dann halt morgen“, man lässt sich halt nicht stressen.
Was uns allerdings wirklich nervt, ist, dass man oft keine wirkliche ehrliche Meinung bekommt. Also vornherum immer freundlich etc, hintenrum siehts dann oft anders aus. Kanadier werden ja generell auch als sehr „Ausländerfreundlich“ eingestuft. Mag richtig sein, wenn man als Tourist kommt. Aber auch hier wird unter Freunden dann schon gern mal Luft abgelassen über diverse Kulturen und deren Verhalten.

Wie empfindet ihr/du die „Work Life Balance“ in Vancouver? Größter Unterscheid kanadisches/deutsches Leben(-sgefühl)?

Alles was ich hier antworte, sind persönliche Erfahrungen und sicherlich vom Arbeitgeber abhängig.
Es ist unserer Meinung nach entspannter. Gerade in der Firma von Andreas wird tatsächlich Wert auf eine Work-Life-Balance gelegt. Bei den meisten Firmen ist es immer möglich, von zu Hause zu Arbeiten oder Termine zu verschieben, wenn etwas mit den Kindern ist. Hinzu kommt, dass fast jeder Monat ein langes Wochenende hat und man einfach ein paar Tage raus in die Natur kann. Die Nähe der Berge und des Meeres erleichert die Ausflüge.
Fallen doch mal Überstunden an (nicht ungewöhnlich bei Dienstreisen), gibts dafür dann recht schnell Freizeitausgleich. Da wird sehr drauf geachtet, dass die Mitarbeiter nicht ausbrennen und eben Spaß an der Arbeit/Projekten haben.
Von daher fallen die nur vorgeschriebenen 2 Wochen bezahlten Urlaub (Andreas hat 3) gar nicht so schlimm ins Gewicht, wie viele das in Deutschland sich immer vorstellen.
Was mir hier auch noch nie aufgefallen ist, dass sich Mütter gegenseitig die Augen aushacken wie in Deutschland. Also wer ist die bessere Mutter: Hausfrau/Vollzeitarbeitend, Stillen/Flaschennahrung etc. Man geht eher nach dem Prinzip, solange es für die Familie passt, ist alles okay und wird auch genauso akzeptiert. Das ist schon recht entspannend.

 

Ihr lebt seit einiger Zeit im Großraum Vancouver, habt ihr/du einen absoluten Lieblingsplatz in der Stadt Vancouver? Gibt es geheime „Must-Sees“, die jeder, der Vancouver besucht auf jeden Fall angucken sollte?

In Vancouver selbst sind wir eher selten, da wir gar nicht mehr so auf Großstadt aus sind. Schon alleine die Parkplatzsuche nervt, abgesehen von den Parkgebühren. Wir sind eigentlich nur noch für bestimmte Behördengaenge, wie Konsulat etc. dort und Andreas halt für seine Arbeit, da sein Office in Yaletown ist.
Echte Geheimtips haben wir daher nicht. Ein Muss ist natürlich der Stanley Park, da kann man sich auch Fahrraeder leihen und einmal um den Park entlang der Seawall fahren. Das machen wir im Sommer gern. Das Vancouver Lookout bietet eine schöne Sicht über Vancouver und wer schwindelfrei ist kann die Capilano Suspension Bridge besuchen. Wem dafür der Eintritt zu teuer ist, sollte den Lynn Canyon wählen. Dort ist auch eine Suspension Bridge (ohne Gebühr) und man hat schöne Wanderwege. Mit Kindern empfiehlt sich das H.R. MacMillan Space Center oder noch besser ein Besuch im Burnaby Village Museum oder dem Historic Fort Langley. Das ist ein süsser kleiner Ort, welcher neben dem Fort auch zum Bummeln einlädt. Was man sich auch nicht entgehen lassen sollte ist Steveston, ein Teil des Vorortes Richmond. Dort lässt es sich am Pier schön bummeln und man kann frischen Fisch genießen und auch Whale Watching Touren buchen. Und nicht zu vergessen, zum Grouse Mountain und Mount Seymour zu fahren. Je nachdem wie viel Zeit man hat, lohnen auch Ausflüge nach Whistler oder mit der Faehre nach Victoria. Auf dem Weg nach Whistler kommt man an Squamish vorbei, wo man auf jeden Fall einen Stop einlegen sollte und wenn genügend Zeit ist, empfehle ich den Besuch der Britannia Mine.
Ist man im Dezember hier, sollte man sich die Festival of Lights im Van Dusen Botanical Garden und Capilano Suspension Bridge nicht entgehen lassen. Im März gibt es immer das Kirschblütenfestival. Und ein besonderer Höhepunkt sind natürlich die Paraden zum Canada Day (1.Juli). Ein Erlebnis ist auch zweifelsohne das Rodeo, das jedes Jahr am Victoria Day Wochenende im Mai in Cloverdale stattfindet. Schaut man allerdings in einen Veranstaltungskalender, gibts eigentlich jedes Wochenende ein Straßenfest, immer interessante Ausstellungen und allgemein viele gute Restaurants und Brauereien. Hierfür lohnt sich natürlich ein Ausflug nach Granville Island, wo man all das auch findet und dazu einen schönen Ausblick auf die Stadt.
Zwei weitere schöne Plätze sind der Lighhouse Park und wenn man nach Süden fährt, lohnt sich ein Besuch im nahegelegenen White Rock.

 

Wie erlebt ihr/du die multikulturelle Kultur Kanadas, speziell auch in Vancouver und Umgebung?

Der Großraum Vancouver ist tatsächlich sehr vom Multikulturismus geprägt. Viele Nationalitäten haben große Feste, die auch groß gefeiert werden. Die beiden dominierden Kulturen sind hier ja Chinesen und Inder. So wird z.B. das Chinesische Neujahrsfest jedes Jahr mit einer großen Parade gefeiert, genasuo wie man das indische Diwali-Fest überall zelebriert. Bei den jährlichen Santa Parades finden sich dann alle Religionen ein zum Zuschauen. Die verschiedenen Kulturen leben neben- und miteinander.
Allerdings gibt es auch hier das Problem der Parallelgesellschaften. So ist Richmond für seine große Anzahl an Chinesischen Einwanderern bekannt und so sind viele Läden etc. auch nur in chinesisch beschildert. Gleiches gilt für andere Bereiche, in denen vorrangig Inder wohnen. Sie verdrängen dadurch alteingesessene Bewohner, da sich die Nachbarschaften dadurch nämlich völlig ändern.

Yvonne und Ihre Familie beim Hiken

Hike der Familie im Big White Ski Resort

Wie ist es für euch, zum einen das Meer und auf der anderen Seite die Ausläufer der Rockies an einem Ort zu haben? Was ist das besondere an Vancouver? Warum dort leben und nicht in einer anderen kanadischen Metropole?

Zwischen dem Pazifik und den Rockies kommen ja noch Berge, die deutlich näher dran sind. Aber genau diese Kombi hat uns damals bei der Entscheidung für Vancouver geholfen. Allerdings hat sich über die Jahre gezeigt, dass wir mehr an den Bergen hängen und uns dort lieber aufhalten. Zumal die Temperaturen des Pazifiks, zumindest uns, nicht wirklich zum lange drin schwimmen einladen. Und nicht zu vergessen die tausenden Seen überall. Jeder kann sein Plaäzchen finden, wo er immer noch in aller Ruhe alleine sitzen kann, wenn man es will.
Was beim Umzug für Vancouver sprach – im Gegensatz zu allen anderen Regionen Kanadas -, dass es hier keine -30 Grad im Winter gibt. Die Durchschnittstemperatur beläuft sich auf rund 5 Grad, somit gibt es zwar keinen Schnee, aber viel Regen.

 

Träumt ihr noch von mehr oder seid ihr in Vancouver endgültig angekommen?

Wir werden mit großer Wahrscheinlichkeit das Kapitel Vancouver für uns schließen. Ausschlaggebend ist einerseits das Wetter (hier kann es gern von Oktober bis April fast durchgehend regnen, was natürlich toll für den Regenwald hier ist *lach*), andererseits auch, dass wir ländlicher wohnen wollen. Und da wir neue Abenteuer lieben, kam das Angebot des Arbeitgebers meines Mannes ganz Recht, dass wir in die USA umziehen könnten, um näher an diversen Kunden zu sein. Somit wird es im Sommer wohl erstmal für einige Zeit in die USA gehen. Vorher wollen wir aber die Staatsbürgerschaft hier zu Ende bringen, damit wir jeder Zeit problemfrei zurück nach Kanada ziehen können, dann aber wohl eher in die Richtung Kelowna (BC). Wir haben gerade den citizenship test hinter uns und warten nun auf einen Termin für die Einschwörung (dauert weitere 3-5 Monate), so dass wir dann offiziell auch Kanadier sind. Die deutsche Staatsbürgerschaft dürfen wir dank der Beibehaltungsgenehmigung weiter behalten.

Kanadische oder deutsche Süßigkeiten – wofür schwärmt ihr mehr? Könnt ihr Leckereien empfehlen?

Nordamerikanische Süssigkeiten mögen wir überhaupt nicht, die sind uns deutlich zu süß. Genauso schüttelt es mich bei dem hier üblichen gesalzenen Popcorn. Wir greifen dann doch eher auf „altbekanntes“ zurück, wie Haribo Goldbären und Lakritzschnecken oder meine geliebte Lindt-Schokolade oder Kinderschokolade – zum Glück gibts das hier bei uns problemlos zu kaufen.
Was wir aber empfehlen können, ist Schokolade von Purdy’s, deren Läden oft in Shopping Malls vertreten sind.

Und zum Schluss:

Wenn ihr Kanadas neuen Premier Minister Justin Trudeau auf einen Coffee im Tim Hortons treffen dürftet, was würdet ihr ihn fragen?/sagen?

Yvonne
Aus Frauensicht: Dass ich es toll finde, so ein gut aussehendes und vor allem junges Regierungssoberhaupt zu sehen.
Politisch: dass ich es toll finde, dass sein Kabinett aus der gleichen Zahl Frauen und Männer besteht und ich seinen Kurs bisher mag und gespannt bin, wie es die nächsten Jahre weiter geht.
Andreas:
Ich würde Ihn fragen, wie er die Abhängingkeit der Wirtschaft von Rohstoffexporten verringern will. Die Abhängigkeit vom Markt für diese Rohstoffe macht sich wirschaftlich gerade in Alberta und Sasketchewan deutlich bemerkbar, wo viele Menschen Ihre Jobs verloren haben.

Ich danke euch für eure Worte und das Interview! Berichtet weiter so toll über eure Zeit in Kanada, wir freuen uns auf jeden Artikel!

Finn

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5 Kommentare

  • Reply
    Yvonne
    April 24, 2016 at 12:46 am

    danke fuer die Veroeffentlichung :-). Kleines Update: am 03.05. haben wir die Einschwoerung und sind dann offiziell dual citizen mit Deutscher und Kanadischer Staatsbuergerschaft.

    • fmoeller
      Reply
      fmoeller
      April 24, 2016 at 7:45 am

      Sehr gerne Yvonne, habe mich sehr über deine Worte zum Thema gefreut! Glückwunsch! Ich freu mich für euch, bis zum kanadischen Pass sind es für mich noch einige Schritte! Haltet mich auf dem Laufenden! Liebe Grüße an die Familie!

  • Reply
    KatDenVan
    April 24, 2016 at 7:40 am

    Ein toller Bericht, vielen Dank dafür.
    Jedoch hätte ich mir mehr Details über das genaue Behördenprozedere gewünscht.
    Was ist alles notwendig und Pflicht um überhaupt daran zu denken eine permanent residence card zu bekommen?
    Über einen ausführlichen Bericht in einem der nächsten Beiträge würde ich mich freuen.
    Vielen Dank.

    • fmoeller
      Reply
      fmoeller
      April 24, 2016 at 7:43 am

      Hallo Dennis, vielen Dank für deine Worte! Einen Überblick, über die wichtigsten Schritte, werde ich im nächsten Artikel geben! Das Interview mit Yvonne war eine erste Einleitung zum Thema! Freue mich über weitere Rückmeldung von dir!
      Danke und bis bald!

    • Reply
      Yvonne
      April 26, 2016 at 4:35 am

      Hallo,

      das hat sich zu der Zeit, als wir vor 5,5 Jahren unseren Antrag stellten inzwischen schon mehrfach geaendert. Du kannst es aber selbst nachlesen auf der Seite der Einwanderungsbehoerde: http://www.cic.gc.ca/english/immigrate/index.asp

      Es wurde aber mit jeder Aenderung komplizierter, nicht nur an die PR zu kommen (da gibts ja verschiedene Wege) sondern auch Arbeitsgenehmigungen fuer auslaendische Bewerber zu bekommen als kanadischer Arbeitgeber.

      VG
      Yvonne

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